Fork von Websitebaker?

Wieder mal der Teufel los im WB-Forum: "Fork". Oder überhaupt gleich alles hinschmeißen? Oder eh alles super wie immer? Ein bisschen Ein- und Ausblick, worum es da geht.

Messer, Gabel, Schere, Licht

von Chio (admin) am 11.11.2008

Da sind sich alle einig: Der"Core", also die Maschine, die in WB steckt, ist gesund, sicher und stabil. Da, dort vielleicht ein paar Verbesserungen, aber nichts Schlimmes. Ebenso das Backend, auch wenn ein paar Leute gerne mehr Zappel und Flutsch hätten, aber darüber lässt sich ja reden. Das Frontend ist sowieso, was man draus macht.

Wo geht’s lang?

WB wurde vom mittlerweile 19-jährigen Ryan Djurovich entwickelt. Er begann damit, als er 14 war. Es gehört einiges an Ausdauer dazu, noch dazu in diesem Alter – ein derart gutes und umfangreiches Projekt zu stemmen, das ist ihm hoch anzurechnen. Aber die Schwester der Ausdauer heißt "Sturheit" – und Ryan ist zweifellos nicht nur stur, sondern sogar völlig beratungsresistent.

Das geht ein Weilchen gut, solange alles frisch und neu ist. Mittlerweile hat sogar Ryan erkannt, dass es nicht mehr so super läuft, dass ihm die Felle davonschwimmen. Einmal mehr wurde ein Fork angekündigt/angedroht. Ernsthaft. Und weil wir schon dabei sind: es gibt auch sonst noch ein paar Kleinigkeiten, die geklärt werden sollten.

Was ist ein "Fork"?

Websitebaker ist ein freies Open Source CMS. Das heißt: Der Quellcode ist gratis, offen einsehbar und darf auch verändert werden. Dasselbe gilt für Bilder und Design – alles. Es ist - auch rechtlich - kein Problem, das ganze Ding zu nehmen und unter anderem Namen* – sogar kostenplichtig – zu verbreiten. So ist zb XtCommerce ein Fork von OsCommerce. Und Joomla einer von Mambo.
Das Problem dabei: Bitte hinten anstellen! Die Schlange derer, die so was versucht haben, ist lang. Es gehört mehr als ein paar Scripte dazu, ein CMS zu verbreiten: zb ein Forum, das rund um die Uhr betreut werden muss. Oder Entwickler, Designer, die laufend und unentgeltlich Verbesserungen machen.
*(Wahrscheinlich auch unter demselben Namen)

Websitebaker3

Das eigentliche Problem von WB2 ist der Nachfolger WB3. Websitebaker3 wird eventuell im Sommer 2010 Serienreife erreichen und ist völlig anders als WB2: Nichts ist kompatibel. Nicht die Templates, nicht die Module, nichts. Es wird möglicherweise ein Upgrade-Script geben, das aber schon prinzipiell nicht besonders gut sein kann; das wäre ja wie Joomla oder SimpleCMS  zu WB upzugraden. Die später installierten Module würden nicht mehr laufen, auch das Template nicht.
Damit nicht genug, wird es auch mit der einfachen Erweiterbarkeit vorbei sein. WB3 benutzt Smarty und einige Frameworks, in die man sich jeweils erst einarbeiten muss. Derartige CMS gibt es etliche, und sie haben ihre Fans. Man muss deswegen nicht auf WB3 warten.

Ob auch WB3 seine Fans finden wird, steht in den Sternen, genauer: im Himmel der Tausenden schon jetzt frei verfügbaren CMS. Ein paar von diesen haben es schon geschafft: SimpleCMS, Typo3, Joomla, Drupal, Websitebaker2.

Die Befürchtung ist nun, dass Ryan sein neues Baby WB3 per Zangengeburt herausbringen wird - auf Kosten von WB2, das damit zwangsläufig unter die Räder kommen wird.
Es könnte sogar noch schlimmer kommen: Das Zugpferd für WB3 ist WB2. Wenn WB2 ausgesaugt wird, um WB3 am Leben zu erhalten, sich aber WB3 auf Dauer nicht durchsetzen kann, dann werden beide CMS sterben.

Damit haben natürlich Entwickler und Designer wenig Freude: Ihre bisherige Arbeit ist wertlos, alles wäre neu zu machen. Das könnte man aber schon jetzt haben und mal schauen was die Konkurrenz macht. Das machen auch etliche, womit der Kreis der engagierten und fähigen Leute immer kleiner wird. Wer bleibt, darf sich ein Weilchen wie der Einäugige unter Blinden fühlen, bevor auch ihm die Felle davon schwimmen.
Die Hoffnung, dass die Entwickler und Designer ebenso auf WB3 „upgraden“, wird sich so natürlich nicht erfüllen.


Die Zeit für „Große Veränderungen“ ist also günstig. Das kann ein Fork sein, die prinzipiell bessere Lösung wäre natürlich, verschiedene Produkte aus einem Haus anzubieten – parallel – und jedes für die Zielgruppe zu positionieren, wie überall üblich: Mercedes LKW und PKW. Unilever Nudelsuppen (diverse Marken).  Keine Rede davon, was "besser" ist, ein Konzern wie zb. Unilever schießt sich nicht selbst vom Markt.
Dafür bräuchte es aber grundsätzliches Verständnis für die Mechanismen des Marktes und vor allem auch den Willen zur Veränderung – und nicht nur Lippenbekenntnisse.

Also was jetzt?

Dass es einen Fork geben wird, ist nur eine Frage der Zeit. Wahrscheinlich gibt es ohnehin schon ein paar, die es aber nicht mal in Sichtweite geschafft haben. Aber irgendwann wird einer – sichtbar – da sein.

Ob es WB2 weiterhin in dieser Form geben wird, hängt davon ab, wie die Weichen jetzt gestellt werden. Ryan hat bereits angekündigt, dass er sich um WB2 nicht weiter kümmern wird und einen „Nachfolger“ sucht. Es gibt auch schon ein paar Anwärter, die große Frage ist: Was wird ihnen Ryan mitgeben? Nur runterladen kann man WB jetzt auch schon, dazu braucht man nicht Ryans "feuchten Händedruck". Ohne eine klare, gemeinsame Strategie wird ein Fork die einzige Lösung sein: Wenn schon bei Null beginnen, dann wenigstens ohne Ballast.

"Feuchter Händedruck":

jemanden abspeisen; möglichst schnell und ohne Umstände loswerden.

Die Position von Websitebaker.at

Es war nie Ziel dieser Site, in einem Konkurrenz-Verhältnis zur offiziellen Site websitebaker.org zu stehen. Diese Site ist eine Ergänzung und soll die Brücke zwischen dem freien CMS und einer professionellen, kommerziellen Verwertung durch Dienstleister schlagen. Die Erfahrung daraus soll wieder in die Community zurückfließen; Geben und Nehmen.
Ich halte nichts von einem Fork, solange es noch sinnvolle Alternativen gibt. Sollte es sich trotzdem so ergeben, werde ich mich umsehen, was ich meinen Kunden anbiete.

Siehe auch:

Und jetzt: Alle mitsingen!

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13.11.2008

heinerle

ich sehe es ähnlich, wobei ich aber eher der Anhänger der derzeitigen Version bin. Dies hat einen einfachen Grund: Was macht WB2 denn stark und interessant für viele?
Es ist einfach zu bedienen und einfach zu warten, auch für Anfänger.
Ich arbeite bei einem Hoster und kenne die Probleme vieler Anfänger: Ein Baukasten soll es sein und Funktionen wie ein ausgewachsenes CMS. Ausserdem soll es einfach zu bedienen sein.

Ich kann keinem meiner Kunden ein System empfehlen, welches zu kompliziert ist. Und jeder der Smarty kennt, weiss, dass dort kein Anfänger mal eben schnell ein Template anpasst.
Ganz zu schweigen davon, wie klein der Kreis derer wird, die dann noch an Modulen weiterentwickeln.

Klar hat ein System wie Smarty o.ä. auch seine Vorteile, aber eben nur für den Webdesigner, den Dienstleister. Der kleine Webmaster wird dann ausgeschlossen denk ich.

Aber bei einem bin ich mir derzeit sicher: Wie es auch kommt, ich werd den Weg von websitebaker.at mitgehen, denn so, wie hier versucht wird Ordnung zu schaffen und eine gute Anlaufstelle zu schaffen, kann nur dieser Weg der richtige sein.

bei beichen
heinerle

13.11.2008

erpe

Hallo Chio,
ich stimme mal wieder mit dir völlig überein. Wirklich Klasse, wie sachlich du die einzelnen Themen aufgreifst.

Grosses Lob von der Küste.

erpe

14.11.2008

Stefan Klaubert

Es wäre sehr schade, wenn die Einfachheit von WB auf der Strecke bleiben würde. Ich habe lange nach einem CMS gesucht, dass es, wenn eine Seite angelegt ist, auch dem Enduser ohne mehrjährige PC-Erfahrung erlaubt seinen Inhalt zu pflegen. WB ist in der jetzigen Form eines mit Abstand der besten CMS-Systeme! Größe Teile wie Joomla, etc. haben sicher auch ihre Berechtigung, wenn eine Profi die Seite wartet und nicht der Enduser.

17.11.2008

mr-fan

hi chio,

super artikel für alle "ausgedeutscht" was zZ gerade in und ums Forum herum passiert!

finde gut das Ryan jetz WB3 umbenennt! Ich glaube, das das "Ganze" in die richtige Richtung geht...nur vom Gefühl her.

gruß aus bayern!
martin

11.12.2008

Jens

Hallo Chio,
DANKE für den Artikel. Sehr gut und sehr leicht nachvollziehbar geschrieben. Ich bin gerade dabei mich nach einem Shop umzuschauen und werde jetzt mal bei Mambo schauen.
Alles Gute Jens